Rom und Sassaniden und die Entstehung des Zoroastrismus


Rom und Sassaniden und die Entstehung des Zoroastrismus
Rom und Sassaniden und die Entstehung des Zoroastrismus
 
Die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Rom und Parthien von Trajan bis Caracalla hatten gezeigt, dass Rom von der östlichen Macht keine ernste Gefahr drohte. Diese Situation änderte sich grundsätzlich, als sich um 220 Ardaschir aus dem Priestergeschlecht der Sassaniden gegen den Partherkönig Artabanos V. erhob und im Jahre 224 durch den Sieg in der Schlacht bei Hormizdaghan das Herrscherhaus der Arsakiden stürzte. Mit Ardaschir I. übernahm im Osten ein Herrscher die Macht, der sich als Erbe der altpersischen Achaemeniden verstand. Er forderte von Kaiser Severus Alexander die Rückgabe aller ehemals persischen Gebiete bis zur Propontis (Marmara-Meer).
 
Um seinen Gebietsansprüchen Nachdruck zu verleihen, drang Ardaschir I. ins römische Mesopotamien ein. Ein Friedensangebot Roms lehnte er ab. Ardaschirs Sohn Schapur I. (241-71) errang in den folgenden Jahrzehnten erhebliche Gebietsgewinne. Kaiser Valerian (253-60) geriet sogar in persische Gefangenschaft. Erst unter den Kaisern Carus (282/83) und Diokletian (284-305) ging Rom erfolgreich zur Offensive gegen Persien über. 298 erlitt der Perserkönig Narseh (293-303) eine schwere Niederlage in Armenien. Danach gaben die Sassaniden ihren Anspruch auf die ausschließliche Weltreichsstellung auf und erkannten Rom als gleichrangige Macht an.
 
Im 3. Jahrhundert wurde der Zoroastrismus sassanidische Staatsreligion. Er hat in dieser Zeit seine abschließende Fixierung erfahren. Weniges nur ist über Leben und Wirken Zarathustras (griechisch Zoroastres) überliefert. Vermutlich wurde Zarathustra Anfang des 6. Jahrhunderts v. Chr. als Sohn einer adligen Familie bei Balch in Baktrien (Afghanistan) geboren. Mit etwa dreißig Jahren soll ein Offenbarungserlebnis in der Wüste Zarathustra zu einem Wandel seiner religiösen Grundeinstellung bewogen haben.
 
Die Weltgeschichte stellte sich nach der Lehre des Propheten als ein Kampfplatz dualistischer Prinzipien dar, wobei Ahura Mazda, der allwissende, weise Gott mit seinen Hilfsgottheiten das Wahre, Gute, Heile, Reine, kurz eine Friedensordnung zu realisieren bestrebt ist. Dieser Versuch wird jedoch von Ahriman und seinen Helfern, die Lüge, Bosheit, Unheil und verderbliche Unordnung etablieren wollen, konterkariert. Der Mensch nun, in diesem dualistischen Spannungsfeld stehend, vermag sich für Ahura Mazda oder Ahriman zu entscheiden. Die Entscheidung für jenen hat eine sittlich untadlige Lebensführung zur Konsequenz mit der Aussicht, in das »Reich« Ahura Mazdas einzugehen. Dieses Gottesreich sollte auf ein allgemeines Weltgericht folgen.
 
Der ethisch hoch stehende, den Einzelnen streng in die sittliche Pflicht nehmende Zoroastrismus wurde den Griechen im 5. Jahrhundert im Zusammenhang ihrer Auseinandersetzung mit den Persern bekannt. Er fand im Westen keine Verbreitung, lebt jedoch in der Parsenreligion in Persien und Indien noch heute fort.

Universal-Lexikon. 2012.

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